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SUBVERSION & ABGRUND

Montag, Januar 21st, 2013

am Freitag, 25.01.2013 um 19 Uhr
im Spor Klübü
Freienwalder Str. 31, 13359 Berlin-Wedding

Ausstellungseröffnung

Eine Ausstellung der Künstlergruppe BEWEGUNG NURR (Alekos Hofstetter/ Christian Steuer/ Florian Göpfert) mit Werken und Beiträgen von:

Boris Abel, Michelle Alperin, bankleer, Rainer Bellenbaum, Tina Born, Lukas Feireiss, Peter Funken & Andreas A. Koch, Jörn Gerstenberg, Frauke Hehl, R.J.Kirsch Andreas Koch (mit A. Schimanski und A. Middendorf), Ins A Kromminga, Käthe Kruse, Esther Horn, Joe Neave, Jens Meinrenken, Robert Sokol, Sabeth Buchmann, Tanja Vonseelen, Christine Weber und Daniel H. Wild.

Es gibt im heutigen System keine echte Subversion. Im Gegenteil: jegliche Form der Subversion wird vereinnahmt (neudeutsch: kooptiert) und ihrer Kraft enthebelt. Dies gilt insbesondere für die Ansprüche der Kunst. Daß man deshalb durch Unterwanderung nur bestätigt, ist daher völlig klar und keine besonders hilfreiche Beobachtung. Subversion ist dementsprechend kein positiver Begriff oder eine effektive Gegenbewegung, sondern eine naive und illusorische Erwartungshaltung, die wenig bewirken kann.
Ein interessanter Lösungsansatz für diese Unwirksamkeit von Subversion liegt daher in ihrem Gegenteil, nämlich in der Affirmation. Kann man ein System dadurch unterwandern, in dem man es völlig bestätigt? Ist die wahre Subversion nicht diejenige, die ein System ausdrücklich aufrecht erhält und es konsequent auf seine Spitze treibt? Es daher „aufhebt“ im doppelten Sinne? Diese Überlegung gibt dem Prinzip Subversion eine ironische Utopie zurück: nur durch eine vollendete Bestätigung kann das System seiner Macht beraubt werden, obschon auch diese Umkehrung genauso naiv wie der Glaube an eine subversive Kraft ist. Und dennoch persifliert dieser Glaube die Hoffnung auf eine Unterwanderung und gibt dadurch dem affirmativen Handeln im System eine Bedeutung zurück, die der Dekonstruktivismus uns ja allenthalben versprochen hatte, während er gleichzeitig auf einen alten Denkansatz im dialektischen Materialismus zurückgreift. (Wir warten allerdings immer noch auf die Erlösung.)
Wir sind also nach wie vor mit der Frage beschäftigt, was im Wirklichen den Platz für das Mögliche freihält. Es ist ein bekanntes Problem. Genauso könnte ja ein Spießer behaupten, er unterwandere den Kapitalismus von innen heraus, indem er subversiv Porsche fährt. Diese Eckpunkte weisen auf das hin, was die BEWEGUNG NURR uns ausrichten möchte: es sei Aberglaube, daß auch diejenigen, die es sich im System gemütlich gemacht haben, zu seinem Untergang beitragen werden. (Daniel H. Wild, 2013)

http://www.nurr.net/

Podiumsdiskussion zum Thema „Subversion und Kunst“
Samstag, 2.2.2013 um 19 Uhr
Teilnehmer: Julia Lazarus, Kerstin Karge, Jens Meinrenken, Andreas Koch, Moderation: Peter Funken

Live-Performance am Samstag, 2.2.2013 um 21 Uhr
BURQADIZCOMASCHINE
Chris Dreier, D. Holland-Moritz, Ursula Döbereiner
feat. Dancemaschines
http://www.myspace.com/burqamachines

Spor Klübü
Freienwalder Str.31
13359 Berlin
Öffnungszeiten: Samstag, 26.01. und Sonntag, 27.01.2013 von 14:00 -17:00
Vom 28.01. bis 02.02. nach Terminvereinbarung per Mail: moju@momagic.de

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Freitag, Oktober 12th, 2012

HELLERAU – EUROPÄISCHES ZENTRUM DER KÜNSTE DRESDEN
Karl-Liebknecht-Strasse 56
01109 Dresden
www.hellerau.org

Temporäres Denkmal für Johann „Rukeli“ Trollmann
Deutscher Meister im Halbschwergewicht, 1933
20.10.- 16.12.2012

Ein Werk der Künstlergruppe BEWEGUNG NURR in Kooperation mit workstation Ideenwerkstatt Berlin e.V.

Einweihung des Denkmals am Freitag, dem 19. Oktober 2012 um 18 Uhr durch Rita Vowe und Manuel Trollmann (Tochter und Großneffe Johann Trollmanns).

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (Dr. Tanja Vonseelen/ Hrsg.) mit Textbeiträgen von Dr. Silvio Peritore, Dr. Roger Repplinger und Sophia Schmitz. Katalog Online Download unter trollmann.info

Die BEWEGUNG NURR (Alekos Hofstetter/Christian Steuer/Florian Göpfert) wollen mit ihrer Installation bestehend aus einem stählernen Boxring mit Betonoberfäche ein temporäres Denkmal für einen außergewöhnlichen sinto-deutschen Boxer schaffen, dem aufgrund seiner ethnischen Wurzeln im Nationalsozialismus Erfolg und sozialer Aufstieg versagt blieben. Entrechtet und ausgegrenzt, verlor Johann Trollmann schrittweise seine Existenzgrundlage, wurde 1942 im KZ Neuengamme inhaftiert und 1944 im KZ Wittenberge ermordet.

Die über eine Ringecke abgesenkte Boxringskulptur 9841 – der Titel greift die Häftlingsnummer Trollmanns aus dem KZ Neuengamme auf – übersetzt in originaler Größe die soziale und politische Gefährdung, die Trollmanns Leben beherrschte, in ein dreidimensionales Objekt. Die schräge Ebene des Boxrings garantiert keinen Halt mehr, so wie die brutale Diffamierung „nicht-arischer“ Menschen im Dritten Reiches Trollmann sukzessive in den Abgrund von Rechtlosigkeit und Verfolgung zog. Er verlor nicht nur seinen rechtmäßigen Anspruch auf den sportlichen Titel des deutschen Meisters im Halbschwergewicht, sondern auch – und mit ihm viele „nicht-arische“ Sportler – sein Leben.

Erst im Jahr 2004 wurde Trollmann posthum der Titel des Deutschen Meisters im Halbschwergewicht vom Berufsverband Deutscher Boxer wieder zuerkannt, seine Heimatstadt Hannover benannte bisher nur einen Fußgängerweg nach ihm. Mit der Skulptur 9841 soll das Schicksal Trollmanns wieder in den öffentlichen Fokus gerückt werden.

http://www.nurr.net/